Deine geliebte Tochter
entzündete diese Kerze am 5. März 2026 um 13.01 Uhr
Hallo Papa,
als wir dich letztes Wochenende besucht haben war ich ganz durcheinander. Ich habe geplappert wie ein Wasserfall und doch war alles wirr. Darum musste ich mich erst einmal wieder sammeln. Nach dir habe ich nun auch meine geliebte Tante verloren. Morgen ist die Beerdigung und es fühlt sich so an als wäre meine Mutter gestorben. Das zu verarbeiten fällt mir schwer und gleichzeitig bin ich auch bei ihr dankbar dafür, dass sie nun von ihren Leiden erlöst ist und das sie wieder mit meinem Onkel zusammen sein kann. Ich bin so dankbar, in dieser schweren Zeit so viele wunderbare Menschen um mich zu haben. Allgemein teile ich meine Zeit, Liebe und Fürsorge nur noch mit den Menschen denen ich genau so viel bedeute wie sie mir und das tut unfassbar gut. Nicht mehr nur gut genug zu sein, damit sich andere bei mir zurückziehen können und Gehör und Hilfe finden. Es sind Menschen die mir genau so zuhören wie ich ihnen. Menschen die meine Gefühle und Grenzen respektieren so wie ich ihre. Es ist ein liebevolles Miteinander statt eines in dem man sich bekriegt, weil jeder nur seine eigenen Bedürfnisse sieht. Wir nehmen Rücksicht aufeinander. So ein Umfeld ist genau das, was ich mir für mich und meine Kinder immer gewünscht habe. Es erfüllt mich diese Form von Gemeinschaft genießen zu dürfen. Und vorbildliche Erwachsene bringen vorbildliche Kinder hervor. Ich wünsche mir von Herzen, dass meine Kinder sich später auch so verhalten. Denn wir schauen nicht darauf herab welche Fehler andere machen, sondern gehen ins Gespräch. Wir sprechen Dinge an die uns stören und erkennen es an, wenn sich jemand an etwas von einem selbst stört. Das bedeutet nicht, dass wir immer einer Meinung sind oder uns nie streiten würden. Allerdings findet dieses "streiten" auf einer respektvollen und empathischen Ebene statt. Mit dem Ziel Verständnis für seinen Gegenüber zu finden und gleichzeitig einen Weg zu finden wie man mit dem was einen bewegt umgehen kann, ohne jemanden damit zu verletzen oder jemanden auf die Füße zu treten. Und das klappt nur, wenn man bereit ist sein eigenes Verhalten zu reflektieren. Diese Stärke sich mit sich selbst auseinander zu setzen und sich einzugestehen das man Fehler macht, bringt nicht jeder mit. Manche müssen dafür hart an sich selbst arbeiten.
Auch der Kleine "arbeitet" hart. Gestern hat er einen großen Meilenstein erreicht. Mit Punktlandung im Alter von 20 Wochen, kann er sich nun nicht mehr nur von der Bauchlage in die Rückenlage drehen, sondern sich nun auch selbstständig von der Rückenlage in die Bauchlage drehen. Ich bin so stolz auf den Kleinen, wie er trotz Frust durch seinen Ehrgeiz und sein Durchhaltevermögen, seine Ziele erreicht. Wie die Mutti eben ^^. Und morgen dürfen wir von meiner "Mutti" abschied nehmen. Dieser tief emotionale Moment bei einer Beerdigung hätte mir auch bei dir gut getan. Das wäre wichtig gewesen. Genau so, wie deine Beerdigung zu planen. Bis zu einem gewissen Punkt habe ich Verständnis für die Gefühle und das Verhalten von Sandra. Ihrem doppelten Verlust und ihrer Trauer. Und scheiße ist das beschissen, dass ihr beide so zeitnah voneinander gegangen seit, sodass sie nicht einmal die Zeit hatte einen Verlust zu verarbeiten, bevor der Nächste ansteht. Aber ab einem gewissen Punkt hat sie Grenzen überschritten, die ihr nicht zugestanden haben. Darunter unter anderem mich zu beleidigen eine verantwortungslose Mutter zu sein, während ich versuche ihr aufzuzeigen wieso und wie sehr mich ihr Verhalten verletzt. Sie wusste, dass sie damit einen wunden Punkt treffen würde. Sie wollte mich damit bewusst verletzen. Es gibt Punkte in ihrem Verhalten, über die stehe ich drüber und Dinge die gesagt wurden, über die ich bezüglich ihrer bescheidenen Situation hinweg sehe. Gleichzeitig hat sie keinerlei Rücksicht auf meine Gefühle und Bedürfnisse genommen, während sie sich alles genommen hat um einzig und allein ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Ich weiß, dass sie von vornerein vor hatte mich bei allem auszuschließen. Und auch wenn sie wütend auf mich ist, darf uns soll sie sein, hatte sie nicht das Recht dazu mich bei der Planung und bei deiner Beerdigung auszuschließen. Ich werde ihr niemals verzeihen, dass sie mir das genommen hat mit der Planung deiner Beerdigung zu Trauern und das sie mir genommen hat mich durch die Teilnahme der Beerdigung von dir zu verabschieden. Das gilt auch für meine Schwester. Ich verstehe, dass jeder anders trauert und auch das alle emotional geladen waren und nicht wussten wohin mit all ihren Gefühle als du gestorben bist. Immerhin bist du einer der wichtigsten Menschen in unserem Leben gewesen. Aber auch sie hatte keinerlei Recht mich ausschließen zu dürfen. Egal wie viel Empathie sie für Sandra empfindet. Manchmal frage ich mich, ob sie mal daran gedacht hat wie es ihr damit ergangen wäre, wenn sie von Omas Beerdigung ausgeschlossen geworden wäre oder von deiner. Ob sie dann wenigstens ein Stück weit nachvollziehen könnte wieso derer Verhalten nicht in Ordnung war. Es verletzt mich, dass sie für Sandra so viel Verständnis hat und Empathie mitbringt, währenddessen für mich keines von beiden da zu sein scheint. Allerdings habe ich mich mittlerweile damit abgefunden, dass da nichts für mich ist. Oder ob Sandra mal daran gedacht hätte, wie es ihr gegangen wäre, wenn man ihr all das bei ihrem eigenem Vater weggenommen hätte. Als ich versucht hatte ihr mit dem Vergleich deutlich zu machen, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist hat sie es ausschließlich als Angriff angesehen. Das war nie meine Absicht sie damit anzugreifen oder zu verletzen. Gleichzeitig hat es genau den Punkt getroffen den es sollte. Wäre man mit ihr so umgegangen wäre sie ausgeflippt, so wie sie mir gegenüber ausgeflippt ist wie respektlos es sei ihren Vater damit hineinzuziehen. Obwohl ich das nie getan habe, sondern ausschließlich gleiches mit gleichem verglichen habe. Die Botschaft dahinter wollte sie meiner Meinung nach nicht verstehen. Nicht das sie es nicht könnte. Sie wollte es einfach nicht. Sie spricht mir jedes Recht ab um dich zu trauern, weil sie diejenige war die dich zu Terminen gefahren hat und ich und du keinen Kontakt hatten. In ihren Augen werde ich sie wohl mit dem Schmerz und dem Gefühl von Verantwortung alleine gelassen haben. Das ich mich einfach "entzogen" habe und deswegen kein Anrecht darauf hätte zu Planen, mich richtig zu verabschieden oder sonst in irgendeiner Form zu trauern. Was sie alle nicht wissen: Als engste Angehörige hätte ich jederzeit die Möglichkeit gehabt dich einfach dahin verlegen zu lassen wohin ich es möchte oder den Planungstermin auch ohne irgendeinen von den Anderen zu machen und alleine daran teilzunehmen. Ich habe sehr lange damit gerungen, ob ich dich zu mir hole, damit ich mich um alles kümmern kann und keiner mehr die Möglichkeit hat mich auszuschließen. Der einzige Grund wieso ich es nicht getan habe ist der, dass ich es respektlos finde deine Leiche hin und her chauffieren zu lassen. Und weil ich weiß, dass du entweder bei Oma begraben werden wolltest oder in Hannover. Das Geld für all das zu zahlen wäre ich bereit gewesen. Gleichzeitig stelle ich mein Bedürfnis zu trauern und dir Nahe zu sein nicht über das anderer Familienmitglieder. Ich habe Rücksicht genommen auf alle anderen und das obwohl teilweise echt scheiße mit mir umgegangen wurde. Und alles was ich davon habe ist, dass ich keine Möglichkeit finde diese wichtigen Trauermomente zu ersetzen um mit deinem Verlust abschließen zu können. Die Richtigen Entscheidungen zu treffen ist manchmal echt hart. Erstrecht dann, wenn alle anderen auf einen scheißen.
Ich wollte nie mit dir darüber sprechen wie das alles ablief, weil ich nicht möchte, dass du wütend oder traurig darüber bist, dass wir es als Familie nicht hinbekommen wenigstens nur für deine Beerdigung zusammen zu halten und uns zusammen zu raufen. Egal welche Meinung jeder hat oder ob wir wütend aufeinander sind. Immerhin ging es um dich! Nicht um uns, aber aus irgendeinem Grund wollten oder konnten das manche nicht verstehen. Aber jetzt ist es so wie es ist und an vergangenem kann man nichts ändern.
Papa ich liebe dich und ich vermisse dich. Es tut mir leid, dass ich es nicht geschafft habe eine gemeinsame Lösung zu finden mit der alle das bekommen was sie wollten. Aber ich hatte keine Chance dazu, weil sie mich von allem ausgeschlossen haben...
Es gibt Dinge die kann man verzeihen. Das gehört nicht dazu.
Du fehlst mir!
In tiefer Trauer
deine über alles geliebte Tochter ♥